ich möchte die kalte Jahreszeit nutzen, um mich mal wieder mit Musiktheorie zu beschäftigen. Mein Fokus liegt dabei auf der Improvisation, der Urform jeglicher musikalischen Betätigung.
Zum Einstieg habe ich folgende aufschlussreiche Zitate gefunden:
"Musikalische Improvisation ist die Eigenheit des musikalischen Menschen (Anm.: müsste wohl richtig heißen "des Menschen"), die es ihm ermöglicht, sich als Selbst in Musik intensiv zu erleben."
"Wenn Improvisation in Musik den improvisierenden Musiker etwas lehrt, dann ist es die Unverwechselbarkeit seiner menschlichen Existenz, eine ureigene Privatheit. Die musikalische Entwicklungsgeschichte des Menschen zeigt, Improvisation ist die älteste Form solch musikalischer Privatinitative. Erste Formen menschlichen Singens und instrumentalen Musizierens sind nicht ohne Improvisation vorstellbar, sind an Improvisation gebunden oder durch sie entstanden."
(Jörgensmann/Weyer: Kleine Ethik der Improvisation)
Auf den Punkt gebracht: Improvisation ist der Beginn jeglicher menschlicher Musikalität. Und die Musiktheorie (Harmonielehre) ist letztlich "nur" der Versuch, das musikalische Empfinden (so eine Art sozialer Konsens über den Wohlklang) in eine einheitliche Form zu bringen und zu erklären.
Mag sein, dass das für die gebildeten Musiker hier kalter Kaffee ist. Aber die Erkenntnis macht es mir zumindest leichter, einen Zugang zur Musiktheorie zu finden, denn am Anfang war nicht die Theorie, sondern die Improvisation
Schönen zweiten Adventsonntag!
Frank
