Schöner Faden!
Nachdem hier schon etliche Fenixe gezeigt wurden, will ich euch meine Wundergeige vorstellen.
Die Story zur
Fenix F-LP30 -
es war im denkwürdigen Jahre1994, als ich beschloss endlich wieder eine vernüftige Les Paul haben zu müssen. Also nahm ich - um mal eine dieser elenden, saudummen Neusprech-Deutsch Floskeln zu verwenden - nahm also 1000 Deutsche Mark in-die-Hand und fuhr in Begleitung meines Lehrlings zu Harry Schubkegels Sommer-Sonderveranstaltung die da heisst: Session-Flohmarkt in Walldorf.
Es war schon etwas spät, da musste Schdaradegie helfen: "Also, du gehst links rum, ich mach die rechte Runde - wir treffen uns im Zelt." Ja, es war tatsächlich wie auf nem Jahrmarkt. "Und denk dran, nur weinrot oder braunes Sunburst, bloss kein Cherry oder wie diese Clownfarbe heisst!"
Das Angebot war ganz gut, aber vorwiegend G, wie Grützen oder Japan-Derivate. Beides kam nicht in Frage, weil G= Dauerboykott und J= Steril-Kopie. Ich suchte ja schon was mit Charkater und wenigstens ein büschen Eigenständigkeit.
Wie es halt so geht, wir konnten nichts Passendes entdecken. Tja, schade halt...
Ihr kennt das alle: nun ist man schon mal in Kauflaune, da will man nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Nachdem die spottbillig erstandenen PA-Hörner (sowas wollte damals kein Mensch mehr schleppen und aufbauen...) neben weiterem Kleinkram im Auto verstaut waren, machte ich, während mein Azubi wartete noch eine letzte Runde.
Weitab vom Trubel, am äussersten Rande des Geschehens passierte ich einen ausgebreiteten Teppichbodenrest, dessen Rand mit wenig unsortierten Trödel-Resten das nahe Ende der Veranstaltung signalisierte. Der Eigentümer war wohl gerade auf dem Weg zum Auto, die mittige Sitzfläche mit einer zerknüllten Wolldecke verwaist.
Ich war schon fast zwei Schritte vorbei, als mir im Augenwinkel deuchte, einen darunter hervorlugenden Gitarrenkoffer zu sehen. Umgedreht und nachgeprüft, kam ein neuwertiger Semi-Akustikkoffer zum Vorschein, dessen Gewicht jedoch alles andere als Semi war.
Ein gesichertes Zahlenschloss verhinderte Zugang. Der gesamte Koffer war ringsum an allen Nähten penibel mit schwarzem Stoffklebeband abgeklebt. Verrückt! Da hat ein übervorsichtig vorausschauender Besitzer wohl für die Ewigkeit vorgesorgt, war mein erster Eindruck und schaute mich suchend um nach einem dazu passenden Gesicht. Meine Neugierde war schlagartig geweckt und eine gut behütete ES-335 kaufen ...ja warum nicht?
Aber da war niemand. Ein etwa 8 Meter weiter zusammenräumender Kollege hatte mich die ganze Zeit in Beobachtung und rief mir jetzt zu: "der kommt gleich wieder, is nur mal Pissen".
Es dauerte zwölf höchst ungeduldige, endlose Minuten, im Geiste leistete ich meinem am Auto wartenden Lehrling vielfach Abbitte - aber ich wollte jetzt wissen, was in dem Koffer war.
Und dann kam er. Ein in diesem Umfeld reichlich unpassend wirkender Fremdkörper von Beamtenseele der mittleren Altersklasse, ein Mischung aus Fahrkartenkontrolleur alter Schule und bestgekleidetem Oberfinanzkassierer, mit anderen Worten, ein merkwürdig anmutender Antimusiker.
Etwas argwöhnisch beschleunigte er seine Schritte als er mich wahrnahm, wartend auf den Koffer gestützt. Er bedankte sich bei dem aufpassenden Nachbarn und begutachtete dann auch erst mal die Unversehrtheit seines Besitztums. Schliesslich öffnete er den Koffer... und nun war ich an der Reihe, saublöd aus der Wäsche zu schauen!
Was mir da entgegenleuchtete war eine göttliche Offenbarung - ein Traum von einer Wundergeige. Die allerobersuperübernormal schönste aller Les Paul Gitarren, die ich je zu Gesicht bekommen hatte. Wahnsinn. Und die Überraschung des Tages.
Jetzt galt es sich zu beherrschen. Kühl bleiben, ganz kühl! Jetzt, sofort! Verhandeln.
"Schönes Teil, da. Gerade gekauft?" (...saublöde Frage!).
"Nö, das ist meine. Dachte, die nehm ich mal mit, weil vielleicht zum Verkauf... aber die wollen ja alle nix zahlen!"
"So, was hast du dir denn so vorgestellt? Ich mein, ja nur mal so gefragt, nicht."
"Die hab ich aus sieben im Geschäft damals ausgesucht. Das ist Feinstes Korea, eine ganz besondere!"
Fenix, kenn ich bereits, macht tolle Sachen, hatte ich schliesslich drei Strats zuhause. "Ähh, ja, schon gut, aber du musst dir doch einen Preis..."
"800 Mark, also die muss ich haben!"
Ich zuckte innerlich zusammen, hatte ja keine Ahnung, dass Fenix Paulas so teuer gehandelt werden. Und mein Budget war schon deutlich geschrumpft.
Kacke verdammte! Soll ich, will ich? Erst mal begutachten. Auf mein schweigendes Warten nahm der Mann sein Schätzchen vorsichtig aus dem mit Handtüchern sorgfältig ausgestopften Koffer und reichte sie mir mit einem kritischem Blick als wollte er sagen: aber bitte aufpassen!
Ich tat etwas prüfend gelangweilt, muss dabei ziemlich bescheuert ausgesehen haben - und war schon nach dem ersten Kennenlernen bis über beide Augen verliebt! So ein wunderschönes Instrument. Wie neu; ach was, wie geleckt! Nichts, aber auch gar nichts deutete auf irgendwelche Spielspuren hin. Irre. KAUFEN! ICH WILL! MUSS HABEN!
Während ich die Schönheit noch in Armen hielt, redete der Besitzer auf mich ein mit Erklärungen zu seinem Auswahlkauf. Ich behielt immerhin soviel, dass die Humbucker deutschen Ursprungs seien und von Shadow.
"Ja und wie klingen die?" Ich blickte um mich - weit und breit kein Amp in Sicht! Nein, mit dem Schatz wollte ich nicht zum Session-Haupthaus zwecks elektrischem Antesten. Aufpassen.
"Hmmm, 800 Mark, ohne Anspielen, nur so auf Verdacht?"
"Den Koffer gebe ich aber auch dabei!"
Tolles Argument, eine viel zu grosse Kiste, ha! Jetzt bitte eine Schdradegie, eine Schdradegie: also erst mal das alte Weglauf-Spiel...
"Ach Mensch, die könnt mich schon reizen, aber puhhh, 800 Mücken? Gibt 's ja schon Gibsons für. Nee, lass ma." Bist du noch etwas da, ich frag mal meinen Kumpel, der ist da evtl. eher dabei... Obwohl, 800 Mäuse? Ich gehe mal..."
Ich war innerlich jetzt ziemlich aufgewühlt, ging zurück zum Auto, wo ich mit vorwurfsvollen Blicken empfangen wurde. "Mensch, seit ner halben Stunde schmor ich hier in der Sonne, echt übel, können wir fahrn?" Er sah mich verärgert an und begriff: "du hast was gefunden, oder?"
Ich weihte ihn kurz ein, bat, ob er mir mit etwas Geld aushelfen könnte und zusammen gingen, nein rannten wir fast zurück zu der Les Paul.
Fragt mich nicht, was dann ablief, weil Träume kann man nicht immer präzise nacherzählen. Nur soviel: da hatte eine höhere Macht die Hände im Spiel. Ich bezahlte deutlich weniger. Ich rede nicht von Schnäppchen, ich nenne es Fügung. Sie wurde mein. Und so soll es bleiben bis ans Ende meiner Tage. Hugh!
Natürlich hat diese Gitarre über die Jahre einige Nachbearbeitung erlebt, was ihre ohnehin von Anbeginn umwerfenden Eigenschaften mit einfach mehr, ja, Finesse aufgewertet hat. Eine charakterstarke Persönlichkeit in besten Kleidern.
Ja, sie hat etliche Metamorphosen erlebt - das angefügte Schaltbild mag einen Eindruck vermitteln von der Testphase, bis ich die ideal passende elektrische Ausstattung ausgetüftelt hatte.
Einige Besonderheiten:
- Mahagoni-Body, dreiteilig; geriegelte Ahorndecke (ein Gibsonatiker meinte AAAA);
- Mahagoni-Hals, "Brazillian Board", Knochensattel;
- AWE-Humbucker ...vom Autor kalibriert; P90-Ton gesplittet;
- Fifties-Schaltung, modifiziert; kompensierte Volume-Steller;
- zwei Push-Push Tone-Potentiometer für Out-of-Phase und/oder Split-Betrieb.
- komplette Solid Core Verdrahtung;
- Graphtech Reso-Max Bridge, direkt auf Holz; Alu-Stoptail, fest verschraubt;
- Dunlop Gurtarmaturen - keine vorstehenden Pickel, die den Lifton-Koffer beschädigen;
- Gewicht: 4,47 Kg! So in etwa wiegen alle meine Paulas, die danach wieder kamen.
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