Unbeliebt auch die Tatsache, dass die Potis an der abgewandten Rückseite sitzen: Mix, Speed und Intensity in diesem Fall. Was ich tatsächlich konträr bewerten mag: Sie sind vor versehentlichem Verstellen wie Tritten trefflich geschützt! - Außerdem gibt es hier kein doppelstöckiges Poti; solche kann man schnell als fummelig empfinden, gerade wenn sie einem abgekehrt sind.
Ansonsten gibt es selbstverständlich einen 9V-Anschluss als Alternative zum ebenfalls möglichen Batterie-Betrieb; eine blaue, helle LED gibt über den Betriebsstatus Auskunft, der per Metall-Fußschalter gewechselt wird.

(Bildquelle: Musiciansfriend.com)
So viel zur äußeren Erscheinung, doch bevor wir in die Praxis wechseln, noch ein wenig "der alte Mann erzählt vom Krieg" vorweg
Als die Cool Cat-Serie weiland das Licht der Welt erblickte, war ich sofort Feuer und Flamme, und bis auf das Tremolo und den Metal-Verzerrer hatte ich sie alle: Den Overdrive, den Transparent Overdrive, das Fuzz, den Distortion sowie den Chrous, den ich mir erst neulich wieder zugelegt habe und sehr liebe. Und natürlich das Vibe, das klanglich eine echte Hausnummer ist, aber leider zwei Probleme mit sich bringt: Einerseits setzt der Effekt verzögert ein, andererseits mit einem satten Lautstärke-Boost, den ich irgendwo bei ca. +10dB verorten würde und der leider nervt!
Das waren letzten Endes auch die Gründe, weshalb ich das Gerät seinerzeit wieder verkauft hatte; heute scheinen sie mich nicht mehr so zu stören, da ich es gerade zum zweiten Mal erworben habe. Natürlich gebraucht, denn es ist leider schon länger ausverkauft und wird auch nicht mehr hergestellt.
Und damit wären wir bereits mitten im klanglichen Geschehen, von dem es ab hier ausnahmslos Gutes zu berichten gibt, ist das Cool Cat Vibe nämlich allerbestens abgestimmt, so dass es extrem viele klangliche Schattierungen zulässt: Je stärker man die Effektintensität zumischt, desto physischer und dunkel klingender wird es. Bleibt man mit beiden Werten diesseits der 12h, phast es fein schmatzend, ohne Throbbing - der typische Herzschlag ist hier sehr gut eingefangen - ganz vermissen zu lassen. Mit allen Schattierungen dazwischen.
Das alleine ist schon klasse, setzt aber auf einer insofern perfekten Basis auf als dieser Univibe-Klon ganz genau in der klanglichen Mitte zwischen dunklen und spitzen Frequenzen geparkt wurde und damit auch eine optimale Ausganhgsbasis fürs Regeln bietet.
Dasselbe gilt auch für das Spektrum von trocken-perkussiv biss nass-schmatzend; beides ist, in Grenzen, drin, so dass das Dano sowohl 68er als auch 69er-Sounds, bzw. was dazwischen liefert.
Bei Maximalauslastung des Mix-Reglers liegt dann auch nur noch das reine Effektisgnal und damit ein lupenreines Vibrato vor; schön, dass dieser Vibe-Mehrwert hier auch vorhanden ist!
In Summe macht es meines Erachtens mindestens ebensoviel sinn- und geschmackvolle Angebote wie manch ein kostspieliger Mitbewerber mit Boutique-Hintergrund. Und das bei einem einstigen Neupreis von ca. 45€; heute muss man für ein Exemplar schon etwas mehr berappen und liegt irgendwo zwischen 75€ und einem dreistelligen Betrag, was immer noch nahezu sensationell zu nennen ist!
Ich bin mir jedenfalls sicher, dass das Teil in einem Blindtest weit käme; allerdings schränken die beiden negativen Punkte die Paxisdienlichkeit stark ein, so dass es erst nach entsprechender Modifikation fürs Live-Board in Frage kommt. Diese ist jedoch ziemlich problemfrei möglich und im Netz entsprechend häufig dokumentiert. Und kein Problem für den gelegentlichen Wohnzimmer-Schwurbler; wartet man eben kurz und macht notfalls den Amp was leiser.
Fazit: Wer über den Volumen-Boost und die Einschaltverzögerung hinweg sehen oder ihr technisch begegnen kann, kriegt hier unfassbar viel Vibe für ridikül kleine Marie!
Sicher, man muss mit dem Formfaktor klar kommen können; alles andere - so eben auch Klanggüte und Flexibilität - spricht jedoch eindeutig wie vielstimmig für das mintfarbene UFO.
Lieben Gruß,
Batz.
PS: Auf YT gibt es unter anderem ein Video, in dem behauptet wird, dass es eine seltene späte Version mit Volumen-Trimpot, zugänglich im Batteriefach, gibt. Das ist zwar durchaus möglich, aber ich glaube nicht, dass es sich um eine werksseitige Modifikation handelte, sondern von einer Privatperson nachträglich durchgeführt wurde.

