
Das Plastik-Teil vom Straßenrand
Nach dem Lesen des Endlos-Threads zu Pedalboards kramte ich gestern hoch motiviert in meinem Zeugkoffer herum und stieß dabei auf einen originellen Bodentreter der Marke Eigenbau. Um 2010 herum trieb mich der Job hin und wieder nach Indonesien und dort am Straßenrand bekommt man die abstrusesten Dinge angeboten. Üblicherweise sind das Ganja, Rolex und Nice Ladies. Aber dieser Kollege hatte etwas Spannendes im Angebot, nämlich ein selbst gebautes Effektgerät für Gitarren im roten Plastikgehäuse! Auch ohne Englischkenntnisse waren wir uns schnell einig, dass sein tolles Gerät umgehend den Besitzer wechseln müsse. Wieviele indonesische Rupees mich das gekostet hat, weiß ich heute nicht mehr. Sicherlich einige 100K… also halb so wild
Richtig ausprobiert habe ich das Ding nie, dafür sollte jetzt einmal Zeit sein. Es steht „Distortion“ drauf und damit war klar, was das Pedal macht. Eine 9V Blockbatterie per Miniklinke angeschlossen und los geht’s. Hm, zunächst hört man überhaupt nichts. „Level“ rauf gedreht und plötzlich ist da ein leises, dumpfes Summen in der Luft. Daraufhin den „Dist“ Regler kurz angetippt und kawomm, da ist sie ja die Verzerrung! Zwischen „aus“ und „laut“ liegt nur 1 mm Regelweg, egal. Danach noch „Tone“ ganz aufgedreht und voilà, schon hat man einen nicht mehr ganz so dumpfen Zerrsound. Erinnert ein wenig an ein wummerndes Heavy-Metal-Fullstack (gibt ja Leute hier im Forum, die diesen Sound sehr schätzen, siehe den Thread zum Flamma Preamp). Aber vielleicht klingt es ja mit dem mitgelieferten PU besser. Testweise hab ich ihn mal von oben an die Saiten gehalten: nö, auch das ist eher mumpfig. Da Drone-Metal nicht so mein Ding ist, wird das Teil wohl wieder in Frieden ruhen müssen. Aber witzig ist es allemal und als Urlaubsmitbringsel bis heute nicht zu toppen. Terima kasih, mein Freund vom Straßenrand!

Das Alu-Teil vom Musikding
Wie mir beim Weiterkramen in der Zeugkiste auffiel, müssen wohl alle Zerrpedale rot sein. Mein eigenes vom Musikding Shop hatte ich vor vielen Jahren ebenfalls rot lackiert. Es handelt sich um „Das Lineal“, einen Nachbau des „Elektro Harmonix Linear Power Booster“. Eigentlich kein Zerrer, schon klar, aber ich nutze ihn gerne so. Ein bißchen mehr Saft und schon steigt die Lautstärke und Zerre für ein Solo. Das Pedal diente mir in erster Linie als Testballon, ob das Selberbauen solcher Kisten Spaß macht. Das tut es zwar, allerdings hatte ich nach dem zweiten Projekt (Das Plus, ein MXR Distortion Nachbau) kaum noch Freude und nach dem dritten Pedal (ein Fuzz „Bender Mk3“) endgültig die Schnauze voll. In mir steckt kein Elektrotechniker sondern ein Bastler und irgendwann ist man mehr am Messen und Korrigieren als am Bauen.

Das Mini-Teil aus China
Um die Liste der roten Verzerrer zu vervollständigen, darf ein Schnapp von einer der letzten „richtigen“ Frankfurter Musikmessen nicht fehlen. Ein Bodentreter der kreativ benannten Firma „Stomp Box Pedals“ namens „Distortion DS-1“ im damals noch recht neuen Miniformat aus asiatischer Produktion. Hätte ich ihn nicht von den Chinesen nachgeworfen bekommen, hätte ihn die Messeleitung als Plagiat des Boss DS-1 sowieso einsammeln müssen. Dann hätte aber konsequenterweise die Hälfte der Stände keine Ware mehr zum Vorzeigen gehabt… und so nahm ich das Kästchen gerne in meine Obhut. Vielleicht handelte es sich bei dieser Firma auch um einen OEM Manufacturer auf Kundensuche, wer weiß.
Heute wagte ich es mal, das Kästchen aufzuschrauben, obwohl ein „Gentle Remimdar“ darauf hinweist, dass dann die Garantie flöten geht. Sehr erhellend ist der Inhalt nicht, außer dass man lesen kann, hier die Stompbox mit Nummer No.000.01 vor sich liegen zu haben. Bestimmt wird es mal ein Sammlerstück. In der fernen Zukunft.

Soweit also die Evolution der roten Bodentreter aus meiner Krimskrams-Kiste: von Plastik über Selbstbau bis zum Nachbau. Ob davon irgendwas wieder vor meinen Amp wandert, weiß ich noch nicht. In nochmal zehn Jahren hab ich die Dinger eh wieder vergessen und kann mich dann über die unverhoffte Wiederentdeckung freuen
Ciao,
Mo
